DIE ERFINDUNG VON GESCHICHTE(N)
Eine Veranstaltung der
FILMREIHE KÖLN ZU GAST IM FILMFORUM NRW UND IN DER FILMPALETTE

Die diesjährige Filmreihe widmet sich der Erfindung von Geschichte(n) und verfolgt dabei die Konstruktion und Dekonstruktion individueller und kollektiver Mythologien im Film. Beginnend mit einer Performance der Künstlerin Dieuwke Boersma im Filmforum befragt die Reihe kuratierter Kurzfilmabende in vier Sequenzen die Entwicklung neuer Formen von Bewusst-Sein, die narrative Konzeption von Lebens- und Zukunftsentwürfen, das Erschaffen und Festhalten an und das Ablösen von sozialen Realitäten sowie die Erfindung von Wirklichkeiten, welche in multiple Wahrheiten münden oder aus ihnen hervorgehen.

Die Abende gehen den Fragen nach: Können wir ‚tentakulär denken‘? Welche Erzählungen helfen uns, für uns lebbare soziale Realitäten zu schaffen und uns dann auch wieder von ihnen zu lösen? Wer herrscht über das Schreiben von Geschichte(n) und welche Ökonomien gehen damit einher? Darüber hinaus spürt die Filmreihe der Zärtlichkeit nach, aus der die Lebensentwürfe vielfach resultieren oder die ihnen innewohnt, und beleuchtet die Fragilität individueller und kollektiver Narrative.

TENTACULAR THINKING

DO, 14. JUNI 2018, 19:00 UHR / FILMFORUM NRW

Auf Einladung der Filmreihe Köln führt die Künstlerin Dieuwke Boersma ihre Performance „Sanatorium Octopussy – Conceiving a Tentacular Consciousness“ auf, die sie eigens für diesen Anlass erarbeitet hat. Ausgehend von der Erfahrung, in Folge eines schweren Verkehrsunfalls das Gehen neu erlernt zu haben, entwickelt die Künstlerin das Konzept ihrer Beine als tentakuläres Bewusstsein. Die Performance erforscht die Intelligenz der Beine, die sich, wie die Tentakel des wirbellosen Oktopusses, unabhängig vom Gehirn bewegen können. Darüber hinaus ermöglicht das „tentacular thinking“ (Donna Haraway) als philosophische Sichtweise einen anderen Zugriff auf die Welt. Ausgehend von der mythologischen Figur des Oktopusses werden im anschließenden Kurzfilmprogramm verschiedene Lebens- und Zukunftsentwürfe aufgespannt. Arbeitsmigration, Verdrängung aus Lebensräumen und Stigmatisierungen kollidieren dabei mit den bisweilen utopischen und idealisierten Vorstellungen der Protagonist*innen. Außerdem wird die menschliche Sehnsucht nach etwas, das jenseits des Erklärbaren liegt, beleuchtet.

SANATORIUM OCTOPUSSY – CONCEIVING A TENTACULAR
CONSCIOUSNESS, Dieuwke Boersma, 2018, 30 Min.
OH BROTHER OCTOPUS, Florian Kunert, 2017, 27 Min. (eine Produktion der KHM Köln)
LA PARTE DELL’ANGELO, Carl Henrik Svenstedt, 2009, 13 Min.
LIVING A BEAUTIFUL LIFE, Corinna Schnitt, 2003, 13 Min.

SOZIALE REALITÄTEN
MO, 18. JUNI 2018, 20:00 UHR / FILMPALETTE


Die Filme des Abends kreisen um das Thema soziale Realitäten. In den beiden Kurzfilmen „(to) conceive“ und „MAN“ werden wir mit unseren eigenen Vorstellungen von Geschlechterrollen konfrontiert. Die Körper der Protagonist*innen dienen dabei als Projektionsfläche und (de)konstruieren performativ männliche und weibliche Identität. In „Ano Branco“ schließlich wird in einem Zukunftsszenario die Geschlechterbinarität überwunden, jeder Mensch soll sich nun selbst aktiv für sein Geschlecht entscheiden können. In „The Send-Off“ wird die Prom Night gefeiert. Bei ärmlichen Lebensverhältnissen in Pahokee (USA, Florida) scheuen die stolzen Eltern keine Kosten, damit sich die Absolvent*innen für diese eine Nacht glamourös in Szene setzen können. Ausgehend von biografischem Material macht sich Antje Engelmann in ihrem Film selbst zum Objekt ihrer Untersuchung von Erinnerung und Selbstkonstruktion und schafft dadurch als Erzählerin neue Sinnzusammenhänge.

(TO) CONCEIVE, Arootin Mirzakhani, 2017, 10 Min.
MAN, Maja Borg, 2016, 12 Min.
ANO BRANCO, Luiz Roque, 2013, 7 Min.
THE SEND-OFF, Ivete Lucas/Patrick Bresnan, 2016, 13 Min.
EINE ANLEITUNG, UM DIE VERGANGENHEIT ZU ÄNDERN, Antje Engelmann, 2011, 40 Min.